Bei einer ersten Recherche im Internet merkt man schnell: Der Start in das Modellbahnabenteuer will gut geplant und wohl überlegt sein. Schließlich stellt man gleich zu Beginn die wichtigsten Weichen für das zukünftige Hobby. Ich habe hier mal Fragen zusammengestellt, die sich vor der ersten Anschaffung beantworten sollte. Ich glaube die Reihenfolge spielt keine große Rolle.

  1. Welche Spurweite soll es werden?
    Am gängigsten hierzulande ist die H0 Spurweite. Es gibt daher ein unerschöpfliches Angebot, auch auf dem Gebrauchtmarkt. Dazu ist das Format handlich, robust und damit auch für Kinderhände bestens geeignet. Beim Basteln muss man nicht mit Lupe hantieren und die Modelle sind detailreich und nah am original. der Platzbedarf ist allerdings schon etwas größer, wenn man sich für den Bau einer Anlage entscheidet. Nach einigem Probieren und Messen, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man für eine spannendere Anlage, die auch Raum für Stadt und Berg bieten soll rund 2,5 x 1,2 M einplanen sollte. Nach oben sind zwar keine Grenzen gesetzt, aber darunter wird es schnell voll oder langweilig. Wer alles mögliche auf eine Anlage unterbringen will sollte viel Platz haben oder sich für eine kleinere Spurweite wie N entscheiden.
  2. Welches System will man anschaffen?
    Hier werden im Netz wahre Glaubenskriege geführt, an denen ich mich nicht beteiligen will. Im Wesentlichen gibt es das Gleichstromsystem , bei dem die beiden Pole auf die beiden Gleise verteilt sind oder das Mittelleitersystem von Märklin, bei dem ein Pol in der Mitte der Gleise liegt und von der Lok mit einem Schleifer abgenommen wird. Beide Systeme bieten vor und Nachteile. Während die Gleichstromvariante bei Gleisverbindungen oder Kehrschleifen besondere Lösungen benötigt, stört sich der Fan von originalgetreuen Modellwelten an den Noppen des Mittelleiters in den Märklin-Gleisen.  Das Märklin Wechselstromsystem ist ebenfalls in Deutschland verbreiteter als das Gleichstromsystem.Da ich noch alte Märklin Waggons habe, viel unsere Wahl auf das Märklin-System. Aufgrund der durchgehenden Metallachsen verursachen Märklin-Waggons auf Gleichstromgleisen Kurzschlüsse . Auf den Märklin-Gleisen  können Waggons aller Marken problemlos benutzt werden.
  3. Digital oder Analog
    JA , das war wirklich eine Frage. Zuerst dachte ich, ach komm, wir machen das so wie früher. Aber dann bei näherem Hinsehen wurde digital doch deutlich interessanter. Eigentlich ist es keine Frage mehr. Wer heute neu anfängt, fängt gleich digital an. der Strom in den Gleisen bleibt entgegen dem analogen System konstant, die Steuerung der Geschwindigkeit erfolgt über den Treibwagen selber. Neben zusätzlichen schönen Funktionen, die digitale Loks mit sich bringen, spart man sich auch viel Kabellage und verschiedene Stromkreise, wenn man mehrere Loks bewegen will. Alles einfacher. Zudem lassen sich ältere Loks mit einem Decoder auf digitalen Betrieb umrüsten, sodass ein altes Schätzchen vielleicht auch auf der neuen Anlage seine runden drehen kann. Ein Umbau in dem Modelladen hier in Köln kostet ab 40 Euro, mit bisschen Geschick, Dekoder und Lötkolben kann man es aber auch selber schaffen.

Ok der Wunsch ist eine Sache. Ausreichend Geld für ein Startpaket ist beim 9. Geburtstag auch zusammengekommen. Aber als Vater sollte man sich darüber im klaren sein, dass Modellbahn ein Hobby ist bei dem man das Kind begleiten muss. Hat man die Zeit? meine eigenen Kinderpläne in H0 fanden aus diesem Grunde nie ihre Umsetzung. Alles begann mit einem Weihnachtsgeschenk. Ein kleines Oval auf einer Tischlerplatte mit paar Häuschen und einem Plastikberg. Mein Vater hatte günstig allerlei Märklin-Kram über eine Zeitungsanzeige gekauft.  Das Oval wurde schnell zu klein und Pläne wurden geschmiedet. Eine Platte besorgt, ich hatte noch Schienen auftreiben können und (damals noch ohne Internet) Anleitungen zum Bau von Bergen etc. Am Anfang war die Unterstützung da. wir waren sogar auf der Messe in Köln. Zu Geburtstagen und Weihnachten gab es dann allerlei Häuschen zum Basteln von Faller un Vollmer, auch aus der DDR hatte ich damals tolle Sachen. Schöne Häuser.

Der Traum von der Anlage endete mit Rotband

Der Berg war in der Unterkonstruktion fertig, alles ohne die Hilfe meines Vaters. Ich brauchte nur noch Gips um den Berg aus Holz Maschendraht und Betttuch zu vollenden. Ich hatte ein Tütchen, jedoch reichte das nur für einen kleinen Teil des Berges.
Mein Dad hatte keinen Bock zu helfen, geschweige denn mir Gips zu besorgen. Stattdessen hatte er noch einen alten Sack Rotband Wandputz. „Das geht auch“ sagte er. Ich glaubte und gipste den Rest des Berges. Der Sack war wohl zu alt und band nicht mehr ab. Keine Ahnung, ob er es denn je getan hätte. Wandputz, das konnte nicht klappen. Das Ende vom Lied: Der Berg trocknete nicht und fing im Keller an zu schimmeln. Schließlich wanderte der Berg in den Müll,  die Schienen kamen in einen Karton und die Häuschen in einen Schrank. Das Rollmaterial war ohnehin noch für gut verpackt und so starben die Pläne meiner tollen H0 Modellbahn-Anlage.

Was nun?

Als Vater sollte man sich darüber im klaren sein, dass man bei so einem Kinderwunsch helfen muss. Man muss Zeit investieren, das fängt schon vor der Anschaffung an und setzt sich mit den weiteren Plänen fort. Es kann bei einem Startpack bleiben, doch wenn die Begeisterung da ist und das ganze weitergehen soll ist es ein Thema, das über Jahre hinweg Zeit, Aufmerksamkeit und Pflege benötigt.

Frage:

Habe ich Lust und Zeit, mich mit dem Thema Modellbahn auseinander zu setzen, auch über einen möglicherweise längeren Zeitraum?

Wenn du diese Frage mit Ja beantworten kannst, dann wünsch ich viel Spaß. Vielleicht können die Erfahrungen über die wir – meine Kinder und ich – hier  berichten ein wenig weiterhelfen. Wir fangen gerade erst an und lernen immer dazu.

Fragen, Kommentare und Anregungen sind willkommen.