The Gorre & Daphetid von John Allen – was macht diesen Plan so besonders?

Jeder, der im Internet oder in Büchern nach Gleisplänen für Modellbahnen sucht, stößt dabei früher oder später auf die sogenannten Klassiker, wie zum Beispiel John Allen’s Gorre & Daphetid.

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H0 Gleisplan Gorre and Daphetid mit Peco Code 83, geplant mit dem Railmodeller Pro
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Nachbildung des John Allen Originalplans „Gorre & Daphetid“ von 1946

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Bahnhof Gorre mit Viehverladung und keinem BW. Später tauschten diese beiden Einrichtungen die Plätze.

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Die Strecke steigt mit rund 2,5% an

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Nach der Steigung über Steinviadukte, überspannt die Strecke den Bahnhof Gorre auf einer Stahlbrücke.

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Während die Strecke nach Daphetid außen weiter ansteigt, führt der Abzweig links nach der Umrundung der Platte zurück zum Bahnhof.

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Durch diesen Bypass ergibt sich das doppelte Oval.

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An dieser Stelle verdeckt eine große Holzbrücke mit felsiger Schlucht, die Sicht auf die Gleise im Hintergrund

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Diese Gleise sind verborgen, hier können die Züge anhalten und warten. Durch geschickte Schaltung können sich auch Züge abwechseln.

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Der Bahnhof Daphetid endet in der Hälfte. Das Umsetzen erfolgt über einen kleinen Fiddleyard.

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Viehverladung

Stückliste für diesen Gleisplan

Artikel Peco US Code 83 Menge
SL-8300 Flexgleis (Lmax=914mm)ca. 18 – 20
SL-E8351 Weiche #5 rechts (L=210mm 11.4° R=914mm)
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SL-E8352 Weiche #5 links (L=210mm 11.4° R=914mm)3
1 x Drehscheibe 17 bis 18 Meter1
Stückliste ohne Gewähr

John Allen’s erste Modellbahn

Jeder, der im Internet oder in Büchern nach Gleisplänen für Modellbahnen sucht, stößt früher oder später auf den ein oder anderen sogenannten Klassiker. Wie z.B. den hier von mir mit Peco US Code 83 umgesetzten John-Allen-Klassiker „Gorre & Daphetid“. Für die Planung nutze ich übrigens den Railmodeller Pro am MAC. Über John Allen und diesen Plan wurden ganze Bücher geschrieben, ich will hier nur ganz kurz anreißen, was das besondere oder herausragende an diesem Plan ist.

Was ist das Besondere, beziehungsweise das Bahnbrechende an diesem Gleisplan?

Das Erste ist einfach mal das Alter. Der hier verlinkte Allen-Gleisplan von Gore and Dephetid entstand 1946. Das Zweite ist wohl die Größe – die Anlage ist nur sagenhafte 2 x 1,10 m klein. Das ist schon ordentlich. Legt man diese beiden Punkte nun zugrunde ergeben  sich in meiner Meinung nach mindestens 3 Punkte, die Beachtung verdienen:

John Allen ist in meinen Augen seiner Zeit in mindestens drei Punkten weit voraus:

1 Point to Point und die Illusion von Ferne. Der Plan zeigt zwar ein doppeltes Oval – die Strecke verläuft also zweimal um die „Platte“, bevor diese wieder im Bahnhof Gorre ankommt – es liegt aber eigentlich ein Point to Point Konzept zugrunde. Das Oval dient nicht nur zur Verlängerung der Fahrzeit, sondern auch um Garnituren hinter der Kulisse unauffällig zu parken. Daraus ergibt sich eine Illusion von Distanz.  Der Bahnhof Daphetid endet in einem Fiddleyard.

2„To be Continued“ Allen hat am Bahnhof Daphetid von vornherein die spätere Expansion der Anlage geplant. Seine vorausschauende Planung garantierte ihm über 20 Jahre Spielspaß und Erweiterungsmöglichkeiten.


3 Das eindrucksvolle Höhen- bzw. Landschaftsprofil der Anlage. Allen baute diese Anlage bereits vor 1948 mit offener Rahmenbauweise. Mir ist nicht bekannt, ob er der erste war, jedoch kann man nachlesen, dass er eine zerklüftete Landschaft vor Augen hatte. Diese konnte er nur mit der offenen Rahmenbauweise realisieren.

Eine progressive Landschaftsgestaltung – ihrer Zeit weit voraus.

Betrachtet man die verlinkte Skizze des Originalplans genau, sieht man, dass der tiefste Punkt ein See in der Mitte der Anlage „LAKE“ ist. Zu den Kanten hin steigt die Anlage an allen vier Seiten an. Über den Zufluss des Sees im Hintergrund spannt sich eine US-typische Holzbrücke „Trestle“. Diese verbirgt gleichzeitig die dahinter liegenden Gleise. Links um den See verläuft eine Schotterpiste „DIRT ROAD“, die zum Bahnhof „Gorre“ führt. Der Bahnhof Gorre liegt oberhalb des Sees an der Vorderkante der kleinen Anlage. Der Ablaufbach schlängelt sich ebenfalls nach vorn und verschwindet unter einer Brücke über die unsere Straße verläuft. Durch das doppelte Oval steigen die Streckenteile stetig an, sodass alle sichtbaren Streckenteile auf unterschiedlichen Höhen liegen. Wie beeindruckend diese kleine Anlage durch das ausgeprägte Höhenprofil wirkte, kann man an den Fotos erahnen, die es von dieser Anlage im Netz zu finden gibt.

Die Erweiterung von vornherein eingeplant

Allen baute diesen Abschnitt der Anlage Ende der 40er Jahre. Damals lebte er in einer kleinen Wohnung. Wohlwissend, dass er nicht ewig dort wohnen würde, plante er für die Zukunft. Er dachte gar nicht daran, das einmal gebaute je wieder abzureißen um sich zu vergrößern. Er plante so, dass er die Anlage erweitern konnte, sobald der nötige Platz vorhanden ist.

Nach seinem Umzug in ein Haus, erweiterte Allen diese Anlage in über 20 Jahren Bauzeit successive. Sicher nicht alles so wie ursprünglich geplant, jedoch war der hier beschriebene Abschnitt bis zum Schluss zentraler Bestandteil der Anlage.

Das Ende einer Modellbahnanlage

Wenige Tage nach Allen’s Tod 1973, vernichtete ein Brand dieses bahnbrechende Zeugnis der Modelleisenbahn-Geschichte weitestgehend. Erhalten sind zahlreiche Fotografien und Filme. Besonders zu erwähnen ist das Buch „Model Railroading With John Allen: The Story of the Fabulous HO Scale Gorre and Daphetid Railroad (Englisch)“ von Linn Hanson Westcott mit Fotografien von John Allen.

Epilog

Dieser Plan ist nun über 70 Jahre alt und in meinen Augen noch lange nicht überholt oder veraltet. G&D ist auch nach heutigen Maßstäben ein gutes Anlagenkonzept, das keinen Vergleich scheuen muss.

Das Konzept ist gut bedacht und Ausbaufähig:
Die Bahnhöfe sind reduziert aber ermöglichen realistische Betriebsspiele. Viehverladung oder das kleine BW mit Drehscheibe in Gorre und der Zielbahnhof Dephetid mit Fiddle Yard sind auch durch andere Betriebsstellen ersetzbar. In D&G 2 wanderte das BW nach außen und die Viehverladung rückte in die Mitte. Durch modernere Einrichtungen an den Ladestellen, kann die Anlage auch einen Zeitsprung verkraften.

Nicht die Anzahl der Weichen und Fahrkreise zeichnet eine nachhaltige Anlage aus.

Allein eine gute und vorausschauende Planung garantiert langanhaltenden Spielspaß. Wer der Planung ein gutes Szenario nebst Betriebskonzept zugrunde legt, hat schon die halbe Miete. Vorausschauende Planung für zukünftige Expansion und Fortführung des Szenarios über die erste „Fläche“ hinaus, ist das Tüpfelchen auf dem i.

Ein guter Rat!

Wer so beginnt und plant, kann seine Traumanlage Stück für Stück errichten. Durch den „kleinen“ Anfang lernt man das Hobby und das Szenario kennen und kann so Gelerntes bei der Erweiterung der Anlage einplanen und umsetzen. Statt einer ewigen Baustelle können die einzelnen Abschnitte fertiggestellt und bespielt werden. Der Fuhrpark wird passend zum Szenario angeschafft. Alles in Allem spart man so viel Geld und Zeit.